Designprojekt BMW S 1000 RR Megalodon

Das Projekt »Megalodon« aus meinem Grafik Atelier und von Daniel Sattler von Boso-San Motorradtechnik geht in die zweite Stufe. Nach dem ersten Vorentwurf wurde das Design von mir nochmals radikalisiert und an alle Seiten der BMW S 1000 RR angepasst.

Das Ziel dieses Projekts ist es aufzuzeigen, dass auch und besonders moderne Sportmaschinen – und welche könnte z. Zt. moderner sein als dieses PS- und Elektronik-Monster von BMW – mit einer »echten« Airbrush-Lackierung  in eine Design-Liga vorstoßen können die bisher reinen Show- und Custom-Bikes vorbehalten war.

Mit unserer »Kanatli Qir Att« GSX-R 1000« sind wir schon ziemlich weit in diese Richtung vorgestoßen. Mit dieser BMW gehen wir noch einen Schritt weiter.

Dabei war es uns wichtig, dass die Perfektion in der Fahrbarkeit der BMW vollständig erhalten bleibt. Wir verzichten bei ihr bewusst  auf jeden sichtbaren technischen Show-Gimmick der zu reinem Bühnenleben verdammt. In ihrem Auftritt soll sie von ihrem Fahrer wie jede andere S 1000 RR genutzt werden können: die Strecke runter zu brennen und alles zu jagen (und zu fressen) was sich vor ihrem Maul bewegt.

Dieser Aussage liegt auch das Design zugrunde. Moderne Motorräder aus dem Hause BMW sind immer Streitpunkte des Geschmacks. Man liebt sie – oder man hasst sie. Die Entwickler der BMW S 1000 RR gaben ihrem Baby, trotz Supersportler-Form ein paar der typischen BMW-Designtugenden mit. Die Asymmetrie der Front, die zerklüftete Verkleidungsform und die Abdeckungen am Tank und auf der Seite.

Eine echte Herausforderung darauf eine Gestaltung zu verwirklichen welches die pure Kraft und Leistung dieses Motorrades nochmals hervorhebt und in allen Bereichen der wilden Linienführung der BMW lebt und funktioniert.

Daniel und mir lag es nicht im Sinn, diesem Supersportler ein Design auf den Körper zu zeichnen welche nicht ähnlich kontrovers diskutiert werden kann wie die Form an sich. Sonst hätten wir es uns auch einfach machen und ebenfalls den Retro-Style einer Tankstellen-Marke auf ihr verwirklichen können. Bei ihr geht es nicht um gefallen oder nicht – sie ist einfach nur da und beansprucht ihren Platz auf obiger Bühne. Ohne Diskussion und mit dem Wissen, dass auch die Straße ihr gehört.

Unsere BMW S 1000 RR ist das was sie im wahren Leben 2010/2011 ist: Ein Motorrad am oberen Ende der technischen Nahrungskette. In Abhängigkeit vom Fahrer gibt es kaum etwas, was ihr das Leben schwer machen kann.

»Megalodon«, der Ur-Hai, symbolisiert diesen Gedanken für uns am deutlichsten. Der Anblick von Haien gibt uns eine Ahnung was da mal durch das tiefe Wasser geschwommen sein muss. Ein urzeitliches Monster, welches wir Menschen, auch mit dem Glück ihm nie begegnen zu müssen, ängstlich und fasziniert zugleich betrachten.

Eine versteinerte Knochenstruktur in der noch das Muskelspiel zu erkennen ist und welcher man trotzdem glaubt, dass sie dieses Fahrzeug blitzschnell nach vorne schießen lässt. Ein aufgerissener, glühender Rachenraum welches das Triebwerk umschlingt und ein Herz direkt über diesem Hochleistungspaket welches im ruhigen Takt eines Tiefseejägers schlägt. Dazu filigranes Gewebe welches alle Knochen/Bauteile verbindet und die vielfältigen elektronischen Reflexe unseres Ur-Monsters unterstreicht.

Im Design der »Megalodon« werden Elemente des klassischen Airbrush kombiniert mit der modernen Linienführung dieses Sportmotorrades. Vom großen Gesamteindruck bis zum kleinsten Detail auf der Verkleidung. Darin liegt der Sinn und das Ziel dieses, noch digitalen »Megalodon Projekts« – ein stimmiges Gesamtbild aus einer Design-Idee für ein Motorrad zu entwickeln welches verwirklicht werden kann.

Wer mehr wissen möchte über digitales Motorrad-Design und die Vorgehensweise: Hier geht es zu meinem Artikel »Warum digitales Motorrad-Design?«

Daniel und ich freuen uns über Kommentare und Meinungen zu diesem Projekt.

Wenn Ihnen meine Arbeit gefällt, würde ich mich über eine »Thum up« freuen oder Sie gerne als »Fan« auf meiner öffentlichen Facebook-Seite begrüßen dürfen.

Warum digitales Motorrad-Design als Vorstufe zu einer Lackierung notwendig ist!

Der Mensch ist ein visuelles Wesen. Die ersten Sekunden eines Blickes entscheiden darüber ob ihm sein Gegenüber sympathisch ist, ihn ein Bild, eine Fotografie anspricht, ein Design zusagt, ihn interessiert.

Von einem Gegenüber der einem nicht sympathisch ist kann man sich abwenden. Ein Bild kann man abhängen. Ein Fahrzeug welches einem nicht gefällt – kauft man erst gar nicht.

Kein Tattoo-Studio käme auf die Idee seine Kunden nur verbal von einem Motiv zu überzeugen und keiner seiner Kunden nimmt im Sessel platz, nur mit dem Wunsch »Panther« auf den Lippen und lässt sich dann davon überraschen, was er nun den Rest seines Lebens auf seiner Haut zu tragen hat.

Warum sollte dies bei einem individuellen Motorrad anders sein? Einem Fahrzeug in welches eine Menge Geld investiert wird, von der Technik bis zum Design und mit welchem man dann seinen Auftritt haben möchte, welches den Charakter des Fahrers nach außen hin symbolisiert.

Für die meisten Kunden die sich ein individuelles Motorraddesign wünschen ist es nicht einfach, manchmal sogar unmöglich, dieses dem Airbrusher oder Bekleber gegenüber klar zu definieren. Es findet sich vielleicht eine Vorlage oder ein, zwei Stilelemente aus den unterschiedlichsten Bereichen. Anhaltspunkte die, die eigene Vorstellung im Ansatz artikulieren. Nicht mehr.

Damit geht es ihnen nicht anders als bspw. dem Kunden einer Werbeagentur der im ersten Gespräch nur mit Stichworten seine Wünsche nach einem neuen Logo, Design oder Auftritt  beschreiben kann. Letzterer würde aber nie einen Flyer oder eine ganze Kampagne in die Druckmaschine geben, ohne vorher eine Anmutung von Inhalt und Umsetzung freigegeben zu haben.

Trotzdem ist es im »persönlichen« Fahrzeugdesign gang und gäbe, genau diesen Schritt zu überspringen. Der Kunde verlässt sich rein auf die Fähigkeiten des Airbrusher, den Geschmack des Kunden, seine Wünsche in der Umsetzung zielgenau zu treffen. Dieses Vertrauen kann viele Gründe haben: Den Preis, den Bekanntheitsgrad des Airbrushers und ähnlich wie bei Tattoos, die fertigen Projekte in dessen Bildergalerie.

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BMW S 1000 RR oder die Raum-Zeit-Krümmung

In den letzten warmen Wochen von 2010 hatte ich das große Vergnügen die MO Langstreckentest BMW S 1000 RR über Straßen, Autobahnen und in die Stadt zu treiben. In der MO Nr. 1 von 2011 landeten dann meine Eindrücke ungefiltert in den Fuhrparknotizen der MO. Viel Spaß beim lesen:)

In Amerika bezeichnet man BMWs auch als »Beamer«. Keine Ahnung ob dies nur für Boxer gilt oder auch auf die S 1000 RR zutrifft. Aber »beamen« umschreibt den Fahreindruck dieses Vierzylinder Marschflugkörpers bestens: Wie? Schon da?

Stuttgart – Freudenstadt. Geht auch über die Autobahn. Wusste ich nicht. Wollte nur mal etwas AB ohne Tempolimit antesten – und plötzlich strahlte mich Freudenstadt auf dem blauen Schild an.

Zurück über Landstrassen hat »beamen« dann seine ganz eigene Wertigkeit. Wie? Die Kurve ist schon da? Ups. Dieses nochmals im Quadrat. Wie? Das ist eine Kurve? Sah doch voll gerade aus. Ups, ups.

Beamen auf Landstrassen. Menschen die gerne Unreal Tournament oder Halo spielen (und nicht schon nach zwei Minuten tot im Eck liegen), werden es lieben. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf – es gibt kein »Try again« nach »Mission incomplete«. Für alle anderen: Mit Genuss die Linie der Strasse finden ist was anderes. Ja es gibt eine Linie. Ungefähr immer zwei bis drei Sekunden hinter dir. Die S 1000 RR auf der Landstrasse im »Da geht’s vorwärts« Drehzahlbereich bewegt, heißt, du bewegst dich in der Zukunft. Fernab jeder Gegenwarts-Linie. Read more